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9. September 2007, 17.00 Uhr

Wiener Klänge

Ein Liederabend für Gesangs-
Quartett und Klavierduo

Werke von

Brahms, Dvorák, Huber

Gesangsquartett

Andrea L. Brown,

Sopran

Ulrike Andersen,

Alt

Robert Sellier,

Tenor

Dominik Wörner,

Bass

   

Am Flügel

Norman Shetler,

Wien

Christoph Hammer,

München

Anschließend Pfälzer Umtrunk
Eintritt frei, Spenden erbeten



Künstler-Vitae


Andrea Lauren Brown, Sopran
aus Delaware (USA), legte ihr Masterdiplom in Gesangspädagogik und Sologesang am Westminster Choir College, Princeton, New Jersey und den Bachelor of Music an der West Chester University ab, wo sie summa cum laude graduierte. Neben mehreren Auszeichnungen gewann sie 2003 den 2. Preis beim Internationalen Gesangswettbewerb der ARD in München. Konzerttourneen mit vielen bekannten Dirigenten führten sie durch fast alle europäischen Länder, wie z.B. zu den Schwetzinger Festspielen, auf Schloss Villa Ludwigshöhe, zu den Neuberger Kulturtagen und zum Utrecht Early Music Festival. Immer wieder bemerkte die Kritik die geradezu schlafwandlerische Leichtigkeit, mit der die Sopranistin Werke unterschiedlichster Gattungen von der Renaissance über das Barock bis hin zu zeitgenössischer Musik interpretiert. Neben dem Oratoriengesang ist sie auch im Opernfach eine gefragte Sängerin, wie viele CDProduktionen, darunter auch preisgekrönte Aufnahmen, nachhaltig belegen.


Ulrike Andersen, Alt
studierte Gesang und Musikpädagogik bei Jutta Schlegel an der Hochschule der Künste Berlin und ergänzte ihre Studien durch Meisterkurse bei Anna Reynolds und Margreet Honig. Die Altistin war von 1996 – 2001 Mitglied im RIASKammerchor Berlin und ist seither freischaffend im In- und Ausland als Konzert- und Oratoriensängerin tätig (Rundfunkaufnahmen und CD-Produktionen).Einen Schwerpunkt ihres Repertoires bildet die Barockmusik, daneben widmet sie sich mit großer Freude dem Liedgesang und der Aufführung zeitgenössischer Vokalmusik. Zunehmend weitet sich ihr sängerisches Profil auch auf das Gebiet der Oper aus. So sang sie die Titelpartie in Glucks ‚Orfeo’ am Stadttheater Chur, die Galatea in Händels „Aci, Galatea e Polifemo“, die Miss Tracy in „The voice of Ariadne“ von Thea Musgrave an der Neuen Opernbühne Berlin, die 4. Jungfrau in Schönbergs ‚Moses und Aron’ an der Staatsoper Berlin (Barenboim) und den 2. Alt in Rihms Musiktheater ‚Seraphin’ an der Biennale in Venedig. Sie lebt in Berlin und Zürich, wo sie als Dozentin für Gesang am Konservatorium tätig ist.

Robert Sellier, Tenor
Robert Sellier studierte an der Musikhochschule Augsburg Gesang. Nach seinem Studium, das er mit Auszeichnung abschloss, vertiefte er seine Ausbildung in verschiedenen Meisterkursen. Derzeit studiert er noch Meisterklasse in Augsburg bei Jan Hammar. 2004 gewann er den 1.Preis beim Gesangswettbewerb der Hochschule für Musik Nürnberg- Augsburg. Selliers Konzertrepertoire erstreckt sich von Monteverdis Marienvesper über Bachs Oratorien bis hin zu Werken des 20. Und 21. Jahrhunderts, darunter auch einige Uraufführungen. Auch im Opernfach ist der vielseitige Künstler bereits ein gefragter Tenor. 2006 sang Robert Sellier die Rolle des Emilio in W. A. Mozarts „il sogno di Scipione“ am Stadttheater Klagenfurt und bei den Salzburger Festspielen. Seit der Spielzeit 2006/07 ist er am Theater Augsburg engagiert mit der Partie des Rodrigo „Othello“ und des Ferrando („Cosi fan tutte“), 2007/08 wird er als festes Mitglied an das Staatstheater München wechseln. CDEinspielungen bei OEHMS CLASSICS und dem ORF sowie Liederabende mit F. Schuberts „Winterreise“ runden seine Konzerttätigkeit ab.

Dominik Wörner, Bassbariton
Der ausgebildete Kirchenmusiker (A-Examen), Konzertorganist und Gesangssolist (beides mit Solistendiplom) studierte in Stuttgart, Fribourg, Bern und Zürich. 2002 gewann er beim XIII. Internationalen Bach- Wettbewerb im Fach Gesang den Ersten Preis und einen Sonderpreis des Leipziger Barockorchesters. Mit den großen Oratorienpartien seines Fachs gastierte er in fast allen Ländern Europas, den U.S.A., in Asien und Australien unter vielen namhaften Dirigenten. Daneben widmet er sich dem Kunstlied und zeitgenössischer Musik. Etliche CD’s, darunter auch preisgekrönte Aufnahmen, dokumentieren die Gestaltungskraft des jungen Sängers, wie z.B. Lassos Bußpsalmen (Capriccio) mit dem Tölzer Knabenchor (Echo- Klassik-Preis), eine CD für das französische Label K 617 mit den Symphoniae sacrae II von Heinrich Schütz (Diapason d`Or) oder für BIS drei Bach-Kantaten mit dem Bach Collegium Japan unter Masaaki Suzuki (BBC Magazine: Disc of the month Feb. 2007). Dominik Wörner ist zugleich Gründer und Künstlerischer Leiter des Kirchheimer Konzertwinters.

Norman Shetler, Liedpianist
Der US-Amerikaner mit Wahlheimat Wien repräsentiert den Inbegriff eines musikalischen Partners bei Liederabenden. Doch täte man ihm Unrecht, ihn nur darauf festlegen zu wollen. Seine Leistungen als Solist (etwa unter dem Dirigat von Joseph Krips im Musikvereinssaal in Wien oder mit dem Philadelphiaorchester in der New Yorker Carnegie Hall), als Kammermusiker (zusammen mit Nathan Milstein, Gidon Kraemer, Jörg Demus und vielen anderen) und als Liedbegleiter (von Anneliese Rothenberger, Margot Price, Peter Schreier oder Dietrich Fischer-Dieskau unter vielen anderen) sind gleichbedeutend und weltweit gepriesen. Sein grosses künstlerisches Einfühlungsvermögen zeigt sich auch in seiner internationalen Karriere als Puppenspieler.
Der Name Norman Shetler ist bekannt bei allen wichtigen Festivals (Luzern, Berlin, Salzburg, Paris, London, München, New York etc.), bei wichtigen Wettbewerben und auf den bedeutendsten Konzertpodien, einschließlich Japan und den Ländern der früheren Sowjetunion. Alleine im großen Saal des Musikvereins in Wien gab Norman Shetler etwa 30 Konzerte, er spielte Konzerte in La Scala, Mailand oder der Philharmonie Berlin, um nur einige zu nennen.
Norman Shetler gibt seine reiche Erfahrung durch Lehrtätigkeit an Musikakademien, bei Meisterkursen und Seminaren an jüngere Generationen weiter. Er ist auch als Gastprofessor an mehreren Instituten tätig. Der Künstler hat über 100 Platten eingespielt, viele davon wurden preisgekrönt.

Christoph Hammer, Liedpianist
Christoph Hammer hat als Solist und Liedbegleiter auf historischen Tasteninstrumenten, insbesondere dem Hammerklavier, internationalen Ruf. Er ist Leiter des Barockorchesters "Neue Hofkapelle München" und des Festivals "Residenzwoche München" und konzertiert weltweit in namhaften Häusern und auf internationalen Festivals. Neben etabliertem Konzertrepertoire widmet er sich vor allem auch der Wiederentdeckung weniger bekannter Komponisten und der Erforschung und Edition ihrer Werke. 2002 wurde ihm für seine vielfältige Tätigkeit im Bereich der Alten Musik der Kulturförderpreis des Freistaats Bayern verliehen, 2004 der Anerkennungspreis der Bayerischen Volksstiftung.



Pressekritik

„Die Rheinpfalz“ vom 11. September 2007
(Von unserem Mitarbeiter Roland Happersberger):

Ungetrübtes Vergnügen bei Walzer und Slawischem Tanz
Kirchheimer Konzertwinter mit schwungvollem und heiterem Liederabend eröffnet
Musik von Brahms, Huber und Dvorak

Frisch und munter, mit Schwung und Präzision musiziert und im besten Sinn unterhaltsam war am Sonntag das Eröffnungskonzert des Kirchheimer Konzertwinters in der protestantischen Kirche. Ein vorzügliches Vokalquartett, von zwei Pianisten vierhändig begleitet, brachte in der Hauptsache die „Liebeslieder-Walzer“ von Johannes Brahms und erntete dafür nach konzentrierten anderthalb Stunden großen Applaus.
Heutzutage nehmen sich hauptsächlich Chöre der Liebesliederwalzer an. Andrea L. Brown, Ulrike Andersen, Robert Sellier und Dominik Wörner verwirklichten die von Brahms selbst vorgesehene Besetzung und zeigten dabei eine Leichtigkeit und Beweglichkeit, die kein noch so gut präparierter größerer Chor bringen kann, die aber dem Werk wohl anstehen. Es handelt sich bei der 1868 entstandenen und 1874 wegen des großen Erfolgs um 15 „Neue Liebeslieder-Walzer“ vermehrten Komposition um die Vertonung von Gedichten des heute kaum mehr bekannten Georg Friedrich Daumer: freie Nachschöpfungen russischer, polnischer und ungarischer Volksdichtungen, die drastische Bilder und handfesten Humor bergen. Für Johannes Brahms waren sie Anlass zu gut gelaunter, spritziger und durchaus ironischer Musik, die zwar nicht schwer lastend, aber doch ziemlich komplex ist, und daher den Aufführenden einiges abverlangt.
Die Sänger wurden diesen Ansprüchen vollauf gerecht, und die Pianisten absolvierten ihren Part mit traumwandlerischer Sicherheit, rhythmischer Präzision und klanglicher Delikatesse. Vierhändig am Piano agierten Christoph Hammer, von mehreren Konzerten in Kirchheim in bester Erinnerung, und der seit Jahrzehnten international renommierte Liedbegleiter Norman Shetler.
Was soll man hervorheben? Die wunderschöne klangliche Harmonie der beiden Frauenstimmen, als sie mit milder Ironie sangen: „Wie des Abends schöne Röte möchte ich arme Dirne glühn"? Den klanglichen Kontrast zwischen dem schlanken, beweglichen und im Ausdruck tendenziell sachlich bleibenden Tenor Robert Selliers und der komischen Dramatik des Wörnerschen Basses, wenn es hieß: „Zehn eiserne Riegel, die sind ein Spaß, die brech' ich, als wären sie nur von Glas!"?
Man sieht, die Texte sind von geringem literarischen Wert, liefern dem Komponisten aber dankbare, illustrierbare Bilder. Brahms hat denn auch sehr abwechslungsreiche, inspirierte Musik im Walzer- und Ländler-Takt geschaffen, mal knapp und kurz vorbeirauschend, mal lyrisch zart, mal komisch ausladend, („Nein, es ist nicht auszukommen mit den .Leuten, alles wissen sie so listig auszudeuten"). Die Sänger gaben sich dem in angemessen flotten Tempi hin und bereiteten den Zuhörern sowohl mit den alten als auch den etwas ernsteren neuen Walzern ungetrübtes Vergnügen.
Vielleicht das schönste Stück ist "Ein kleiner, hübscher Vogel", von Machart und Melos her ein rechtes "Weanerlied", duftig, leicht, spritzig. Es kam als Zugabe wieder: freier, mehr mit dem Tempo spielend, entspannter als beim ersten Mal. In dieser Richtung wäre der einzige Verbesserungsvorschlag anzubringen: Manchmal hätte mehr Agogik, mehr musikantische Tändelei gut getan. Ansonsten aber: wunderschön.
Fünf die Linie der Brahmsschen Liebeslieder-Walzer fortsetzende Vokalquartette des in der Schweiz wirkenden Hans Huber, 20 Jahre jünger als Brahms, die virtuoser pianistischer Brillanz größeren Raum geben, ergänzten die Brahmslieder höchst passend.
Herrliche Delikatessen der beiden Pianisten Shetler und Hammer indes waren zwei Slawische Tänze von Anton Dvorak; beide in e-Moll, aus Opus 46 und 72. Wunderbar trafen die Interpreten den gedeckt elegischen, verhangen traurigen Salonton des ersten Tanzes, gingen mit Klangbildung und Rhythmik ungemein subtil und delikat um, brachten in großer Harmonie die Details zum Singen. Beschwingter, aber genau so vorzüglich gespielt, war der zweite Satz.
Zwei weitere Slawische Tänze, die das Programmblatt angekündigt hatte, wegen der Programm-Dauer aber gestrichen wurden, hätte man sehr gerne noch gehört.

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