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Ensemble Genesis
Andreas Boehlen/ Blockflöte, Yukie Yamaguchi, (1. Preis in Brugge),
Madoka Nakamaru, Yoko Kawakubo, Mayumi Hirasaki, (2. Preis Bachwettbewerb
Leipzig)/ Violine, Sonoko Asabuki/ Viola, Takashi Kaketa/ Violoncello
(1. Preis Premio Bomporti) und Masato Suzuki/ Cembalo, Orgel und Leitung.
Das 2005 gegründete Ensemble setzt sich aus Mitgliedern des Bach
Collegium Japan, dem Orchester Libera Classica und dem NHK Symphony Orchestra
zusammen und spielt sowohl mit modernen als auch zeitgenössischen
Instrumenten des Barock und der Klassik. Durch die Besetzung mit Streichern,
Sopran, Perkussion und Tasteninstrumenten kann ein möglichst breites
Repertoire geboten werden, von Corelli, Bach und Mozart über Mendelssohn,
Berlioz und Milhaud bis hin zu Cage und Piazzolla und japanischen Komponisten.
Das Ensemble arbeitet gerne mit Komponisten der Gegenwart zusammen. Sein
Gründer Masato Suzuki und Takashi Niigaki, der composer-in-residence
des Ensembles, sind nur zwei Beispiele des zeitgenössischen musikalischen
Schaffens des Ensembles.

Masato Suzuki
Der 1981 in Den Haag geborene Japaner ist ein in der europäischen
wie japanischen Musik verwurzelter Komponist, der sich in besonderer Weise
mit dem Schaffen J.S. Bachs auseinandersetzt. Er studierte an der National
University of Fine Arts and Music Tokio und am Königl. Konservatorium
Den Haag. Seine Lehrer waren Jos van der Kooy, Masaaki Suzuki, Stanley
Hoogland, Konrad Richter, Harald Vogel, Roger Vignoles und Atsutada Otaka.
Regelmäßig spielt er beim Bach Collegium Japan mit. Der junge
Künstler wurde u.a. eingeladen zum internationalen Musikfestival
Nagaoka, dem Lake District Sommermusikfestival, dem internationlen Festival
für zeitgenössische Musik Miyazaki und dem Schleswig-Holstein
Musikfestival. Als Komponist wurde er mehrfach beauftragt, verschiedene
Kompositionen zu ergänzen. So rekonstruierte er den verlorenen Bach-Kantaten-Satz
von Singet dem Herren ein neues Lied BWV 190-1, der vom Bach
Collegium Japan auf CD (BIS) aufgenommen wurde. 2005 gründete er
zusammen mit der Geigerin Yukie Yamaguchi das Ensemble Genesis.

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Pressekritik
Die Rheinpfalz vom 16. Oktober 2007
(Von unserem Mitarbeiter Roland Happersberger):
Kühl kalkulierte klangliche Klarheit
Ensemble Genesis musiziert beim Kirchheimer Konzertwinter mit frappierender
Präzision Vivaldis Herbst begeistert
Eine geradezu erschütternde Perfektion, die jeden musikalischen
Affekt wirkungsvoll darzustellen weiß, aber jede Subjektivität
ausschließt, brachte dem japanischen, nach dem ersten Buch der Bibel
benannten Ensemble Genesis am Samstagabend beim Herbstkonzert des Kirchheimer
Konzertwinters in der protestantischen Kirche die ungeteilte Bewunderung
des Publikums. Am spannendsten war zweifellos die Wiedergabe des Herbstes"
aus Vivaldis Jahreszeiten-Zyklus; auch die Uraufführung eines tonmalenden
Stückes von Takashi Niigaki gefiel.
Sieben junge Musiker, mit Ausnahme des ungemein
kompetenten Andreas Boehlen an der Blockflöte in Europa studierende
Japaner, waren die Interpreten, zuerst im Blockflötenkonzert Il
gardellino" (Der Distelfink) von Antonio Vivaldi. Der Name ist Programm:
Vivaldi hat dem Vogel gewiss intensiv gelauscht und seine Singweise trefflich
nachgeahmt; erst allmählich fügt sie sich im Anfangs-Allegro
in die regelmäßige Periodik barocker Melodiebildung ein. Dieser
erste Satz ist duftig und fein, klanglich transparent, hervorragend intoniert,
makellos im Zusammenspiel, geprägt von gewissermaßen sachlicher
Klarheit. Der Mittelsatz, ein Duo von Sopranino-Flöte und Cembalo,
erneut von der endlosen Linie des Vogelsangs inspiriert, ist subtil ausgearbeitet,
das Schlussallegro kommt erneut klanglich tadellos, durch sinnvolle dynamische
Abstufungen belebt, er enthält Momente von gleichsam kristalliner
Klarheit, mit äußerster Präzision ausgearbeitet und ausgeführt,
allerdings auch mit einer Tendenz zum Sterilen, der eine Portion italienischen
Draufgängertums, musikantischer Unmittelbarkeit durchaus aufhelfen
könnte.
Als zweites: Darius Milhauds L'automne" in der Bearbeitung
des Ensembleleiters und Cembalisten Masato Suzuki, der das Konzert mit
einem klar dargelegten Buxtehude-Präludium an der Orgel eröffnet
hatte. Es ist eine spätromantische Dichtung in chromatisch erweiterter
Tonalität. Der erste Satz, Septembre" in raschem Zeitmaß,
bringt eine elegisch-aufbegehrende Hauptmelodie, die wohl den weichenden
Sommer vorstellen soll. Alfama rasch und fröhlich, präsentiert
ein lustig tändelndes Liedchen, das gemächliche Adieu
ist eine typische Herbstmusik, wie jeder Kinofan aus entsprechenden Szenen
fallender Blätter weiß. Hier waltete luzide Delikatesse, perfekte
Kommunikation und ein wunderschöner, weich leuchtender, breit fließender
Streicherklang, belohnt durch besonders herzlichen Applaus.
Dann die Uraufführung: Aki-Yama, was bedeutet Herbst-Berg
von Takashi Niigaki, Jahrgang 1970. Hat Vivaldi seinen Distelfink gleichsam
zu Solisten eines herkömmlichen Barock-Ensembles domestiziert; so
verlässt der Herbst-Berg jeden hergebrachten tonalen
oder kompositionstechnischen Rahmen. Es handelt sich offenbar um ein illustrierendes
Werk, das mit einigem Raffinement und unter Benutzung der in der neuen
Musik entwickelten erweiterten Flötentechniken der Nachahmung von
Vogelstimmen und anderen Naturlauten gewidmet ist. Das ist zweifellos
gefällig, und
bevor es langweilig werden kann, setzt eine knappe, lapidare Cembalomelodie
den Schlusspunkt. Auch hier: eine makellose, glänzende Aufführung,
in der Boehlen an der Tenorflöte glänzt.
Schließlich der letzte Punkt des ausgedruckten Programms: L'autunno
aus Vivaldis Vier Jahreszeiten mit Yukie Yamaguchi als Violinsolistin.
Frisch, quirlig, rasch, plastisch gestaltete Genesis den ersten Satz,
Yamaguchi brachte eine glänzend virtuose, gleißende Darbietung:
satte Fülle in den tiefen Lagen, strahlende Höhen und eine ebenso
leichtfüßige wie streng kontrollierte Geläufigkeit ließen
ihr Spiel leuchten. Genesis bot ein raffiniert kalkuliertes Spiel mit
Affekten, perfekt serviert. Im zweiten Satz war das perlende Cembalospiel
Suzukis über leisen, bis zum Zerreißen konzentrierten Haltetönen
der Streicher ungemein spannend. Wunderbar elastisch federnd hüpfte
der Grundrhythmus in gelassener Tempogebung im abschließenden Allegro,
darüber leuchteten glänzende Solopassagen über straffem
Tutti-Tremolo: eine absolut geschliffene Ensembleleistung, ungeheuer konzentriert
und homogen gespielt. Diesen Schlusssatz hätte man gern noch einmal
gehört - mindestens.
Stattdessen gab es als Zugabe weniger raffiniert komponierte, aber gleichwohl
engagiert vorgetragene Kost: eine etwas weitläufige Passacaglia von
Georg Muffat. Im Hinausgehen hörte man nur begeisterte Stimmen;
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