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13. Oktober 2007, 19.30 Uhr

Concerto im Herbst

L`Autunno, Il Gardelino
Antonio Lucio Vivaldi (1678-1741)

L`Automne
Darius Milhaud (1892-1974)

UA
Takahashi Niigaki

 

ENSEMBLE GENESIS

Leitung:

Masato Suzuki,

Tokio


Künstler-Vitae


Ensemble Genesis
Andreas Boehlen/ Blockflöte, Yukie Yamaguchi, (1. Preis in Brugge), Madoka Nakamaru, Yoko Kawakubo, Mayumi Hirasaki, (2. Preis Bachwettbewerb Leipzig)/ Violine, Sonoko Asabuki/ Viola, Takashi Kaketa/ Violoncello (1. Preis Premio Bomporti) und Masato Suzuki/ Cembalo, Orgel und Leitung.
Das 2005 gegründete Ensemble setzt sich aus Mitgliedern des Bach Collegium Japan, dem Orchester Libera Classica und dem NHK Symphony Orchestra zusammen und spielt sowohl mit modernen als auch zeitgenössischen Instrumenten des Barock und der Klassik. Durch die Besetzung mit Streichern, Sopran, Perkussion und Tasteninstrumenten kann ein möglichst breites Repertoire geboten werden, von Corelli, Bach und Mozart über Mendelssohn, Berlioz und Milhaud bis hin zu Cage und Piazzolla und japanischen Komponisten. Das Ensemble arbeitet gerne mit Komponisten der Gegenwart zusammen. Sein Gründer Masato Suzuki und Takashi Niigaki, der composer-in-residence des Ensembles, sind nur zwei Beispiele des zeitgenössischen musikalischen Schaffens des Ensembles.


Masato Suzuki
Der 1981 in Den Haag geborene Japaner ist ein in der europäischen wie japanischen Musik verwurzelter Komponist, der sich in besonderer Weise mit dem Schaffen J.S. Bachs auseinandersetzt. Er studierte an der National University of Fine Arts and Music Tokio und am Königl. Konservatorium Den Haag. Seine Lehrer waren Jos van der Kooy, Masaaki Suzuki, Stanley Hoogland, Konrad Richter, Harald Vogel, Roger Vignoles und Atsutada Otaka. Regelmäßig spielt er beim Bach Collegium Japan mit. Der junge Künstler wurde u.a. eingeladen zum internationalen Musikfestival Nagaoka, dem Lake District Sommermusikfestival, dem internationlen Festival für zeitgenössische Musik Miyazaki und dem Schleswig-Holstein Musikfestival. Als Komponist wurde er mehrfach beauftragt, verschiedene Kompositionen zu ergänzen. So rekonstruierte er den verlorenen Bach-Kantaten-Satz von „Singet dem Herren ein neues Lied“ BWV 190-1, der vom Bach Collegium Japan auf CD (BIS) aufgenommen wurde. 2005 gründete er zusammen mit der Geigerin Yukie Yamaguchi das Ensemble Genesis.



Pressekritik

„Die Rheinpfalz“ vom 16. Oktober 2007
(Von unserem Mitarbeiter Roland Happersberger):

Kühl kalkulierte klangliche Klarheit
Ensemble Genesis musiziert beim Kirchheimer Konzertwinter mit frappierender Präzision – Vivaldis „Herbst“ begeistert

Eine geradezu erschütternde Perfektion, die jeden musikalischen Affekt wirkungsvoll darzustellen weiß, aber jede Subjektivität ausschließt, brachte dem japanischen, nach dem ersten Buch der Bibel benannten Ensemble Genesis am Samstagabend beim Herbstkonzert des Kirchheimer Konzertwinters in der protestantischen Kirche die ungeteilte Bewunderung des Publikums. Am spannendsten war zweifellos die Wiedergabe des „Herbstes" aus Vivaldis Jahreszeiten-Zyklus; auch die Uraufführung eines tonmalenden Stückes von Takashi Niigaki gefiel.

Sieben junge Musiker, mit Ausnahme des ungemein kompetenten Andreas Boehlen an der Blockflöte in Europa studierende Japaner, waren die Interpreten, zuerst im Blockflötenkonzert „Il gardellino" (Der Distelfink) von Antonio Vivaldi. Der Name ist Programm: Vivaldi hat dem Vogel gewiss intensiv gelauscht und seine Singweise trefflich nachgeahmt; erst allmählich fügt sie sich im Anfangs-Allegro in die regelmäßige Periodik barocker Melodiebildung ein. Dieser erste Satz ist duftig und fein, klanglich transparent, hervorragend intoniert, makellos im Zusammenspiel, geprägt von gewissermaßen sachlicher Klarheit. Der Mittelsatz, ein Duo von Sopranino-Flöte und Cembalo, erneut von der endlosen Linie des Vogelsangs inspiriert, ist subtil ausgearbeitet, das Schlussallegro kommt erneut klanglich tadellos, durch sinnvolle dynamische Abstufungen belebt, er enthält Momente von gleichsam kristalliner Klarheit, mit äußerster Präzision ausgearbeitet und ausgeführt, allerdings auch mit einer Tendenz zum Sterilen, der eine Portion italienischen Draufgängertums, musikantischer Unmittelbarkeit durchaus aufhelfen könnte.
Als zweites: Darius Milhauds „L'automne" in der Bearbeitung des Ensembleleiters und Cembalisten Masato Suzuki, der das Konzert mit einem klar dargelegten Buxtehude-Präludium an der Orgel eröffnet hatte. Es ist eine spätromantische Dichtung in chromatisch erweiterter Tonalität. Der erste Satz, „Septembre" in raschem Zeitmaß, bringt eine elegisch-aufbegehrende Hauptmelodie, die wohl den weichenden Sommer vorstellen soll. „Alfama“ rasch und fröhlich, präsentiert ein lustig tändelndes Liedchen, das gemächliche „Adieu“ ist eine typische Herbstmusik, wie jeder Kinofan aus entsprechenden Szenen fallender Blätter weiß. Hier waltete luzide Delikatesse, perfekte Kommunikation und ein wunderschöner, weich leuchtender, breit fließender Streicherklang, belohnt durch besonders herzlichen Applaus.
Dann die Uraufführung: „Aki-Yama“, was bedeutet „Herbst-Berg“ von Takashi Niigaki, Jahrgang 1970. Hat Vivaldi seinen Distelfink gleichsam zu Solisten eines herkömmlichen Barock-Ensembles domestiziert; so verlässt der „Herbst-Berg“ jeden hergebrachten tonalen oder kompositionstechnischen Rahmen. Es handelt sich offenbar um ein illustrierendes Werk, das mit einigem Raffinement und unter Benutzung der in der neuen Musik entwickelten erweiterten Flötentechniken der Nachahmung von Vogelstimmen und anderen Naturlauten gewidmet ist. Das ist zweifellos gefällig, und
bevor es langweilig werden kann, setzt eine knappe, lapidare Cembalomelodie den Schlusspunkt. Auch hier: eine makellose, glänzende Aufführung, in der Boehlen an der Tenorflöte glänzt.
Schließlich der letzte Punkt des ausgedruckten Programms: „L'autunno“ aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ mit Yukie Yamaguchi als Violinsolistin. Frisch, quirlig, rasch, plastisch gestaltete Genesis den ersten Satz, Yamaguchi brachte eine glänzend virtuose, gleißende Darbietung: satte Fülle in den tiefen Lagen, strahlende Höhen und eine ebenso leichtfüßige wie streng kontrollierte Geläufigkeit ließen ihr Spiel leuchten. Genesis bot ein raffiniert kalkuliertes Spiel mit Affekten, perfekt serviert. Im zweiten Satz war das perlende Cembalospiel Suzukis über leisen, bis zum Zerreißen konzentrierten Haltetönen der Streicher ungemein spannend. Wunderbar elastisch federnd hüpfte der Grundrhythmus in gelassener Tempogebung im abschließenden Allegro, darüber leuchteten glänzende Solopassagen über straffem Tutti-Tremolo: eine absolut geschliffene Ensembleleistung, ungeheuer konzentriert und homogen gespielt. Diesen Schlusssatz hätte man gern noch einmal gehört - mindestens.
Stattdessen gab es als Zugabe weniger raffiniert komponierte, aber gleichwohl engagiert vorgetragene Kost: eine etwas weitläufige Passacaglia von Georg Muffat. Im Hinausgehen hörte man nur begeisterte Stimmen; ….. .

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