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24. November 2007, 19.30 Uhr


„... in der Stille ruht die Bewegung ...“

Persische Lyrik und
europäische Orgelmusik


Texte von Maulana Dschalaldin (1207-1273)
in der Übersetzung von Reza Maschajechi

Orgelmusik von
Jehan Alain, J.S. Bach, Arvo Pärt, Erik Satie

Reza Maschajechi,

Rezitation

Reiner Schulte,

Orgel


Künstler-Vitae


Reza Maschajechi
lebt seit über 40 Jahren in Deutschland. Er verbindet die persische und die deutsche Kultur durch seine Liebe zur persischen und deutschen Sprache und durch seine Achtung vor der islamischen Religion und dem Christentum. Einen Schwerpunkt seiner künstlerischen Arbeit bilden Rezitationen von Texten des Mystikers Rumi in Verbindung mit klassischer Musik. 2004 erschien unter dem Titel Liebesmystik ein Band mit seinen Übersetzungen einiger Texte Rumis.

Reiner Schulte
studierte Kirchenmusik (A-Examen), Schulmusik, Germanistik und Alte Musik/Cembalo in Detmold, Stuttgart und Trossingen, u.a. bei Willibald Bezler, Bernhard Haas, Jon Laukvik und Carsten Lorenz. Meisterkurse für Orgelimprovisation, Orgel und Cembalo bei Jean Boyer, Jürgen Essl, Bernhard Klapprott, Pierre Pincemaille und Wolfgang Zerer ergänzten seine Ausbildung. 1997 erhielt er einen Förderpreis im Rahmen des Fugato-Orgelfestivals Bad Homburg. Als Dekanatskirchenmusiker war er von 1999 - 2002 an der Liebfrauenkirche in Bad Cannstatt tätig. Seit 2001 ist er darüber hinaus Leiter des Oratorienchores in Aalen. Zusammen mit seiner Frau Christiane Schulte wirkt er seit 2002 als Dekanatskirchenmusiker an der St. Johannes- und Christkönigskirche in Backnang.



Pressekritik

„Die Rheinpfalz“ vom 27. November 2007
(Von unserer Mitarbeiterin Kyra Schilling):

Fremdes und Vertrautes vereint
Kirchheimer Konzertwinter bringt Dichterwort, Orgelklang und Stille zusammen

Im Mittelpunkt der dritten Veranstaltung der aktuellen Konzertwinter-Saison stand am Samstag der persische Dichter und Mystiker Dschalal ad-Din Muhammad Rumi, dessen Geburtstag sich dieses Jahr zum 800. Mal jährt. Der in Nürtingen lebende gebürtige Iraner Reza Maschajechi trug Verse aus Rumis umfangreichem lyrischen Werk vor. Dazwischen spielte Reiner Schulte aus Backnang europäische Orgelmusik aus dem 18: und 20. Jahrhundert.

Die Gedichte Rumis hatten schon zu dessen Lebzeiten glühende Anhänger gefunden, bis heute ist nichts von ihrer Faszination verloren gegangen. In bilderreicher Sprache beschreibt er die Beziehung der Menschen zu Gott, ihre Suche nach dem vollkommenen Glück, das der Mystiker in der liebenden Vereinigung mit Gott erkennt, und ihre Trauer und Verzweiflung über die erlebte Trennung. Sonne und Licht stehen als Metaphern für das ersehnte Ziel - Bilder, die auch die
christliche Tradition kennt. Rumi meint mit Sonne und Licht aber auch seinen Freund Schams, der ihn, denWissenschaftler und Theologen, lehrte, der Sprache des Herzens mehr als der des Verstandes zu glauben, und der ihn nach gemeinsam verbrachter Zeit wieder verließ.
Im Kirchheimer Konzert begegneten sich die Kunstformen Dichtung und Musik und die Kulturkreise Persien und Europa in vielfältiger Weise. Gelegentlich standen Text und Musik nebeneinander, wie anfangs die Verse über Licht und Schatten, Freude und Traurigkeit neben Allegro und Adagio aus der Triosonate C-Dur von Johann Sebastian Bach. Besonders reizvoll war es aber, wenn Musik und Lyrik gleichzeitig erklangen. Dann rezitierte Reza Maschajechi die Verse in persischer Sprache, sich dem Rhythmus der Musik und der Melodik der Lyrik hingebend und dabei ganz auf die klangliche Aussage vertrauend. Dazu wählten die Vortragenden Orgelstücke des 20. Jahrhunderts von Arvo Pärt, Jehan Alain und Willibald Bezler. Jeweils im Anschluss trug Reza Maschajechi die Verse auf Deutsch in eigener Übersetzung vor. Der Vortragskunst des Rezitators und dem zugleich klaren und farbenreichen Orgelspiel Reiner Schultes ist es zu verdanken, dass beide Vortragsarten ihren eigenen Wert behielten: zum einen die Musik mit der fremden Sprache, danach die vertraute Sprache in ungewohnter Gestalt.
"In der Stille ruht die Bewegung", nennen Reza Maschajechi und Reiner Schulte ihr Programm. Die Stille wurde besonders bei einem Orgelstück des zeitgenössischen Komponisten Willibald Belzer hörbar: Nachdem der Organist die Stromzufuhr der Orgel ausgeschaltet hatte, aber dennoch weiterspielte, verschwand der Klang immer mehr, bis er schließlich verstummte: "Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt", lautet der zugehörige Text aus dem Johannes-Evangelium.
Der Abend endete mit dem Choralvorspiel "O Mensch, bewein dein Sünde groß" von Johann Sebastian Bach. Es spricht für die Klugheit der beiden Künstler; dass sie die Orgelstücke von Bach nicht mit Text unterlegten, sondern es hier bei dem Nebeneinander von Text und Musik bewenden ließen.
"Bisweilen sind wir sichtbar, bisweilen verborgen, bisweilen Muslims, Christen oder Juden. Wir durchlaufen viele Formen, bis unser Herz Zufluchtstätte für alle wird". Diese Erkenntnis von Dschalal ad-Din Muhammad Rumi ist die Botschaft von Reza Maschajechi und Reiner Schulte. Leider fanden nicht so viele Zuhörer wie sonst den Weg in die Kirchheimer Kirche, um die Botschaft zu hören.

Rezitator Reza Maschajechi in der
protestantischen Kirche in Kirchheim.
Foto: Schmitt

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