|
La Chapelle Rhénane
wurde 2001 von Benoît Haller gegründet und setzt sich aus
jungen Sängern und Instrumentalisten zusammen. Das Ensemble widmet
sich hauptsächlich deutscher und italienischer Barockmusik. Wie die
großen Kaiserhöfe der Barockzeit, die ihre Musiker und Komponisten
quer durch den ganzen Kontinent anwarben bzw. unaufhörlich reisten,
um ihre Ausbildung zu ergänzen und neue Erfahrungen zu sammeln, so
genießt auch La Chapelle Rhénane die besondere
Position Straßburgs als Stadt der Kreuzung, um die aus ganz Europa
kommenden Musikanten zusammenzuführen. 2003 wurde das Ensemble mit
dem europäischen Preis der Kultur ausgezeichnet. Beim CD-Label K617
wurden bisher drei CDs eingespielt: Symphoniæ Sacræ II (Heinrich
Schütz), Theatrum Musicum & Leçons de Ténèbres
(Samuel Capricornus) und Magnificat dUppsala, die alle drei mehrfach
u.a. mit dem Diapason dor ausgezeichnet wurden. Weitere Produktionen
wie Musikalische Exequien und Auferstehungshistorie
von H. Schütz sowie Buxtehudes Membra Jesu Nostri sind
in Vorbereitung.

Benoît Haller
Nach ersten Chorleitungsstudien im Elsass sowie bei Pierre Cao in
Metz studierte Benoît Haller Chor- und Orchesterleitung bei Prof.
Hans Michael Beuerle in Freiburg/Brsg. Beides schloss er mit Auszeichnung
ab. Parallel dazu erhielt er Gesangsunterricht bei Hélène
Roth in Strasbourg, um dann zusätzlich ein Gesangsstudium bei Prof.
Beata Heuer-Christen aufzunehmen. Meisterkurse bei Eric Ericson und Kurt
Widmer vervollständigten seine Ausbildung. Zahlreiche Tourneen mit
professionellen Ensembles führten ihn durch ganz Europa, nach Hong-Kong,
Australien, Korea, in die Ukraine und die U.S.A. 2002 bis 2005 war er
Solist des Balthasar-Neumann-Chores unter Thomas Hengelbrock. Mit diesem
Ensemble führte er viele szenische Projekte auf, wie Purcells King
Arthur, Lortzings Zar und Zimmermann (Chateauneuf) und eine musikalische
Collage mit Werken von Monteverdi und Gesualdo in Schwetzingen. 2001 gründete
Benoît Haller das internationale Ensemble La Chapelle Rhénane.
|
Pressekritik
Die Rheinpfalz vom 22. Januar 2008
(Von unserem Mitarbeiter Roland Happersberger):
Subtil und prachtvoll
Viel Interesse an Monteverdis Marienvesper beim Kirchheimer Konzertwinter
Erneut wollte die protestantische Kirche in Kirchheim aus allen Nähten
platzen, so groß - wie kürzlich beim Weihnachtskonzert - war
am Sonntag der Andrang zur Aufführung der Monteverdischen Marienvesper.
Zu kommen hat sich gelohnt: Das Ensemble "La Chapelle Rhénane"
bot eine beeindruckende, klangfarbenreiche Interpretation, an der es nichts
zu meckern gibt.
Claudio Monteverdi ließ die "Vespro
della Beata Vergine", die "Vesper zur seligen Jungfrau",
1610 im Druck erscheinen, kurz nachdem er mit "L'Orfeo" die
neue und zukunftsträchtige Gattung der Oper erfunden hatte. Wahrscheinlich
wollte er sich mit diesem Druck in Rom für ein kirchenmusikalisches
Amt empfehlen. Dazu kam es aber nicht; Monteverdi wurde in der Folge zum
Kapellmeister am Markusdom in Venedig ernannt.
Das Werk in lateinischer Sprache besteht aus fünf Psalmvertonungen,
fünf geistlichen Konzerten über Texte unterschiedlicher Herkunft,
einer Instrumentalsonate, dem alten Marienhymnus "Ave maris stella"
und zwei verschiedenen Vertonungen des neutestamentlichen Magnificat,
des Lobgesangs Mariens. Die Musikwissenschaft der zweiten Hälfte
des 20. Jahrhunderts, die sich diesem geistlichen Hauptwerk Monteverdis
wieder zuwandte, diskutierte kontrovers seine Zweckbestimmung: Enthält
es die Musik zu einem bestimmten, besonders ausgedehnten Vespergottesdienst,
ist es eher als Auswahlangebot für eine solche gottesdienstliche
Feier zu verstehen, oder schielte Monteverdi schon auf die Aufführung
im Kreise von Musikliebhabern? Immerhin findet sich auf dem Titelblatt
des GeneraIbassdrucks die Bemerkung, die Komposition sei für "Fürstengemächer
geeignet".
Jedenfalls vereinigt die Marienvesper, die in ihrer keineswegs schleppenden
Verwirklichung in Kirchheim fast zwei Stunden dauerte, höchst unterschiedliche
Musiktypen, die von höchst kreativem Umgang Monteverdis mit der kirchenmusikalischen
Tradition zeugen. Es. gibt, mittelalterlichen Kompositionsformen folgend,
polyphone Sätze, die vom akkordischen Klang des Chores leben, und
am anderen Ende der Skala Sätze, in denen die einzelne Melodie und
die Ausdruckskraft des einzelnen Sängers das Entscheidende sind.
Diese neue monodische Kompositionsweise hat Monteverdi in seinen Opern
besonders ausgeprägt.
"La Chapelle Rhénane" brachte eine Besetzung mit, die
zu Monteverdis Zeiten wahrscheinlich eher in den erwähnten Fürstengemächern
als in Kirchenräumen üblich war: Der achtstimmige Doppelchor
bestand aus präzis acht Sängern, die auch die Solopartien sangen,
darunter der künstlerische Leiter der Konzertreihe, Dominik Wörner;
Ensembleleiter Benoit Haller trat fallweise als neunter Sänger hinzu.
Der Altus war mit Männern besetzt. Die Instrumentalkapelle, bestehend
aus Violinen, Posaunen und Zinken, außerdem aus Orgel, Theorbe (einem
klangstarken Lauteninstrument) und Violone (einem celloartigen tiefen
Streichinstrument) wusste den von modernem Instrumentarium so gänzlich
verschiedenen Renaissanceklang wunderbar zu verwirklichen, entfaltete
in großer Besetzung Pracht, ließ den schlanken Klang der alten
Posaunen leuchten, agierte aber auch mit Delikatesse, wo leisere Töne
gefragt waren.
Die Sänger vollbrachten eine bewundernswerte Leistung. Keiner konnte
sich, wie im großen Chor, hinter dem anderen verstecken, jeder musste
fast permanent präsent sein und war es auch. Die Intonation war von
Anfang bis Ende perfekt; die schwierigen Koloraturen und Auszierungen
in der stoßweisen, von den Musikhistorikern wiedergewonnenen alten
Singweise wurden bis zum Schluss ohne Zeichen von Anstrengung bewältigt,
wobei die Sänger eine recht affektgeladene, bisweilen fast dramatische
Darstellungsart wählten. Besonderes gefielen die beiden Sopranistinnen,
Cyrille Gerstenhaber und Gabriele Hierdeis, die etwa das Concerto "Pulchra
es" wunderbar klangschön und ruhevoll sangen.
Der Psalm "Nisi Dominus" geriet geradezu mitreißend, sein
schwungvoller, rascher Rhythmus erinnerte fast an eine Marschpolka . Beeindruckend
prachtvoll war der wogende, einheitliche Wohlklang des ganzen Ensembles
in "Lauda Jerusalem". Und die luzide Transparenz des Orchesterspiels
in der Sonata geriet ungemein interessant. Viele Schönheiten wären
hervorzuheben. Und ein - unvermeidliches - Manko: Der kleine, überfüllte
Raum verhinderte leider, dass sich der Klang der Solisten zu einem runden
Gesamtklang verband - selbst von der Empore aus schien es, als sitze jeder
Musiker unmittelbar vor einem.
|