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20. Januar 2008, 17.00 Uhr

Venezianische Chormusik

Claudio Monteverdi (1567-1643)

Vespro della beata vergine
(Marienvesper)

 

LA CHAPELLE RHÉNANE (Strasbourg)
Leitung: Benoît Haller



Künstler-Vitae


La Chapelle Rhénane
wurde 2001 von Benoît Haller gegründet und setzt sich aus jungen Sängern und Instrumentalisten zusammen. Das Ensemble widmet sich hauptsächlich deutscher und italienischer Barockmusik. Wie die großen Kaiserhöfe der Barockzeit, die ihre Musiker und Komponisten quer durch den ganzen Kontinent anwarben bzw. unaufhörlich reisten, um ihre Ausbildung zu ergänzen und neue Erfahrungen zu sammeln, so genießt auch „La Chapelle Rhénane“ die besondere Position Straßburgs als Stadt der Kreuzung, um die aus ganz Europa kommenden Musikanten zusammenzuführen. 2003 wurde das Ensemble mit dem europäischen Preis der Kultur ausgezeichnet. Beim CD-Label K617 wurden bisher drei CDs eingespielt: Symphoniæ Sacræ II (Heinrich Schütz), Theatrum Musicum & Leçons de Ténèbres (Samuel Capricornus) und Magnificat d‘Uppsala, die alle drei mehrfach u.a. mit dem Diapason d‘or ausgezeichnet wurden. Weitere Produktionen wie „Musikalische Exequien“ und „Auferstehungshistorie“ von H. Schütz sowie Buxtehudes „Membra Jesu Nostri“ sind in Vorbereitung.


Benoît Haller
Nach ersten Chorleitungsstudien im Elsass sowie bei Pierre Cao in Metz studierte Benoît Haller Chor- und Orchesterleitung bei Prof. Hans Michael Beuerle in Freiburg/Brsg. Beides schloss er mit Auszeichnung ab. Parallel dazu erhielt er Gesangsunterricht bei Hélène Roth in Strasbourg, um dann zusätzlich ein Gesangsstudium bei Prof. Beata Heuer-Christen aufzunehmen. Meisterkurse bei Eric Ericson und Kurt Widmer vervollständigten seine Ausbildung. Zahlreiche Tourneen mit professionellen Ensembles führten ihn durch ganz Europa, nach Hong-Kong, Australien, Korea, in die Ukraine und die U.S.A. 2002 bis 2005 war er Solist des Balthasar-Neumann-Chores unter Thomas Hengelbrock. Mit diesem Ensemble führte er viele szenische Projekte auf, wie Purcells King Arthur, Lortzings Zar und Zimmermann (Chateauneuf) und eine musikalische Collage mit Werken von Monteverdi und Gesualdo in Schwetzingen. 2001 gründete Benoît Haller das internationale Ensemble „La Chapelle Rhénane“.



Pressekritik

„Die Rheinpfalz“ vom 22. Januar 2008
(Von unserem Mitarbeiter Roland Happersberger):

Subtil und prachtvoll
Viel Interesse an Monteverdis Marienvesper beim Kirchheimer Konzertwinter

Erneut wollte die protestantische Kirche in Kirchheim aus allen Nähten platzen, so groß - wie kürzlich beim Weihnachtskonzert - war am Sonntag der Andrang zur Aufführung der Monteverdischen Marienvesper. Zu kommen hat sich gelohnt: Das Ensemble "La Chapelle Rhénane" bot eine beeindruckende, klangfarbenreiche Interpretation, an der es nichts zu meckern gibt.

Claudio Monteverdi ließ die "Vespro della Beata Vergine", die "Vesper zur seligen Jungfrau", 1610 im Druck erscheinen, kurz nachdem er mit "L'Orfeo" die neue und zukunftsträchtige Gattung der Oper erfunden hatte. Wahrscheinlich wollte er sich mit diesem Druck in Rom für ein kirchenmusikalisches Amt empfehlen. Dazu kam es aber nicht; Monteverdi wurde in der Folge zum Kapellmeister am Markusdom in Venedig ernannt.
Das Werk in lateinischer Sprache besteht aus fünf Psalmvertonungen, fünf geistlichen Konzerten über Texte unterschiedlicher Herkunft, einer Instrumentalsonate, dem alten Marienhymnus "Ave maris stella" und zwei verschiedenen Vertonungen des neutestamentlichen Magnificat, des Lobgesangs Mariens. Die Musikwissenschaft der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die sich diesem geistlichen Hauptwerk Monteverdis wieder zuwandte, diskutierte kontrovers seine Zweckbestimmung: Enthält es die Musik zu einem bestimmten, besonders ausgedehnten Vespergottesdienst, ist es eher als Auswahlangebot für eine solche gottesdienstliche Feier zu verstehen, oder schielte Monteverdi schon auf die Aufführung im Kreise von Musikliebhabern? Immerhin findet sich auf dem Titelblatt des GeneraIbassdrucks die Bemerkung, die Komposition sei für "Fürstengemächer geeignet".
Jedenfalls vereinigt die Marienvesper, die in ihrer keineswegs schleppenden Verwirklichung in Kirchheim fast zwei Stunden dauerte, höchst unterschiedliche Musiktypen, die von höchst kreativem Umgang Monteverdis mit der kirchenmusikalischen Tradition zeugen. Es. gibt, mittelalterlichen Kompositionsformen folgend, polyphone Sätze, die vom akkordischen Klang des Chores leben, und am anderen Ende der Skala Sätze, in denen die einzelne Melodie und die Ausdruckskraft des einzelnen Sängers das Entscheidende sind. Diese neue monodische Kompositionsweise hat Monteverdi in seinen Opern besonders ausgeprägt.
"La Chapelle Rhénane" brachte eine Besetzung mit, die zu Monteverdis Zeiten wahrscheinlich eher in den erwähnten Fürstengemächern als in Kirchenräumen üblich war: Der achtstimmige Doppelchor bestand aus präzis acht Sängern, die auch die Solopartien sangen, darunter der künstlerische Leiter der Konzertreihe, Dominik Wörner; Ensembleleiter Benoit Haller trat fallweise als neunter Sänger hinzu. Der Altus war mit Männern besetzt. Die Instrumentalkapelle, bestehend aus Violinen, Posaunen und Zinken, außerdem aus Orgel, Theorbe (einem klangstarken Lauteninstrument) und Violone (einem celloartigen tiefen Streichinstrument) wusste den von modernem Instrumentarium so gänzlich verschiedenen Renaissanceklang wunderbar zu verwirklichen, entfaltete in großer Besetzung Pracht, ließ den schlanken Klang der alten Posaunen leuchten, agierte aber auch mit Delikatesse, wo leisere Töne gefragt waren.
Die Sänger vollbrachten eine bewundernswerte Leistung. Keiner konnte sich, wie im großen Chor, hinter dem anderen verstecken, jeder musste fast permanent präsent sein und war es auch. Die Intonation war von Anfang bis Ende perfekt; die schwierigen Koloraturen und Auszierungen in der stoßweisen, von den Musikhistorikern wiedergewonnenen alten Singweise wurden bis zum Schluss ohne Zeichen von Anstrengung bewältigt, wobei die Sänger eine recht affektgeladene, bisweilen fast dramatische Darstellungsart wählten. Besonderes gefielen die beiden Sopranistinnen, Cyrille Gerstenhaber und Gabriele Hierdeis, die etwa das Concerto "Pulchra es" wunderbar klangschön und ruhevoll sangen.
Der Psalm "Nisi Dominus" geriet geradezu mitreißend, sein schwungvoller, rascher Rhythmus erinnerte fast an eine Marschpolka . Beeindruckend prachtvoll war der wogende, einheitliche Wohlklang des ganzen Ensembles in "Lauda Jerusalem". Und die luzide Transparenz des Orchesterspiels in der Sonata geriet ungemein interessant. Viele Schönheiten wären hervorzuheben. Und ein - unvermeidliches - Manko: Der kleine, überfüllte Raum verhinderte leider, dass sich der Klang der Solisten zu einem runden Gesamtklang verband - selbst von der Empore aus schien es, als sitze jeder Musiker unmittelbar vor einem.

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